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Wofür ich KI nicht einsetze — und warum

16. September 2026

In zwei eigenen Projekten habe ich dieselbe Frage gegenteilig entschieden. Bei monjogh, unserem Kartenset für Kinder, ist das Produkt von Hand gemacht und alles drumherum mit KI gebaut. Bei den Etiketten für Ballot-Flurin ist das Motiv selbst aus der Maschine gekommen. Beide Entscheidungen halte ich für richtig, und keine von beiden folgt aus einer Haltung zu KI.

Bei monjogh ist von Hand, was das Produkt ausmacht

monjogh ist kein Kundenauftrag: Marke, Produkt und Vertrieb gehören uns. Angefangen hat es mit Krafttierkarten für die Arbeit mit Kindern, weil das, was es dafür zu kaufen gab, gestalterisch überladen und inhaltlich esoterisch aufgeladen war. Die Illustrationen sind von Hand gezeichnet, die Texte selbst geschrieben und redigiert. Das ist keine Nostalgie. Es ist ein Produkt für kleine Menschen, in dem es um Achtsamkeit geht — alles andere wäre unglaubwürdig, und zwar auch dann, wenn man dem Kartenset nicht ansehen würde.

Alles, was drumherum gebaut werden muss, damit die Sache funktioniert, gefunden und gekauft wird und am Ende in der Buchhaltung landet, ist KI-gestützt: der Shop, die Zahlungsabwicklung, die Automatismen dazwischen. Dazu die Produktentwicklung selbst — Ideen durchspielen, mit Zielgruppen abgleichen, nachsehen, was es schon gibt. Die Grenze läuft also nicht zwischen Handwerk und Technik. Sie läuft zwischen dem, was das Produkt ist, und dem, was es transportiert.

Bei Ballot-Flurin ist das Motiv selbst aus der Maschine

Ballot-Flurin ist eine Apitherapie-Marke aus den Pyrenäen. Die Hydromel-Serie gab es dort seit Langem, sechs Sorten, sechs völlig verschieden gestaltete Etiketten und keine gemeinsame Idee. Wir haben recherchiert, welche Blütenart in welche Cuvée vermehrt eingeht, und genau diese Blüte zum Motiv gemacht. Die Motive sind KI-Bilder, über Anweisungen so weit geführt, bis sie aussehen wie Photogramme — nach dem Vorbild von László Moholy-Nagy am Bauhaus. Die Flaschen kommen gut an; bei der Fashion Week in Paris hat ein Anbieter sie für seinen Ausschank gewählt, wegen der Gestaltung und wegen des Produkts darin.

Warum hier geht, was bei monjogh nicht geht: Die Entscheidungen, auf die es ankommt, sind vorher gefallen. Welche Blüte für welche Sorte steht, dass sechs Etiketten eine Linie ergeben müssen, dass die Bildsprache von den Photogrammen der Zwanzigerjahre kommt — das hat die Maschine nicht gefunden, sie hat es ausgeführt. Bei den Krafttierkarten ist die Zeichnung das Produkt. Auf einer Flasche ist das Etikett die Einladung, das Produkt ist im Glas. Dieselbe Technik, ein anderer Ort im Werk, eine andere Antwort.

Zweimal habe ich die Grenze richtig gezogen und falsch beschrieben

Das Unangenehme kommt jetzt. Beide Projekte standen mit einer falschen Technikbehauptung auf unserer eigenen Website, und zwar in entgegengesetzte Richtungen. Bei Ballot-Flurin hieß es jahrelang, die Motive seien Photogramme, und „diese fotografische Technik“ übersetze die botanischen Ursprünge — im Text stand also weniger Maschine, als im Werk steckt. Bei monjogh versprach der Seitentitel Augmented Reality, während die Karten einen QR-Code haben, der zu animierten Darstellungen führt — hier stand mehr Technik im Titel als im Produkt. Die Entscheidung war beide Male getroffen und beide Male richtig. Falsch war, was danach darüber geschrieben wurde.

Aufgefallen ist das nicht beim Prüfen. Es ist aufgefallen, weil wir im September alle Projektseiten neu geschrieben haben und dabei Fall für Fall abgefragt wurde, was tatsächlich passiert ist. Ohne diesen Anlass stünde beides heute noch da — und genau da wird aus einem peinlichen Detail eine Verfahrensfrage. Eine Entscheidung darüber, wo KI hingehört, taucht nach dem Tag, an dem sie fällt, nie wieder von selbst auf. Das Werk erinnert nicht an sie: Einem fertigen Bild sieht niemand an, ob es gezeichnet oder erzeugt wurde. Und einem Text fällt nichts aus, wenn er das Falsche behauptet.

Was bleibt

Zwei Sachen nehme ich daraus mit, beide kosten wenig. Die erste: Die Entscheidung wird beim Arbeiten mitgeschrieben, nicht nur getroffen — pro Projekt eine Zeile, was mit KI entstanden ist, was nicht, und warum. Während der Arbeit sind das zwei Minuten. Ein Jahr später ist es nicht mehr rekonstruierbar, weil der schnelle Weg keine Spur hinterlässt; wer es dann aufschreibt, schreibt eine Erinnerung auf. Das ist die fünfte der fünf Fragen, mit denen ich arbeite: Was halten wir fest, damit die Entscheidung später noch nachvollziehbar ist?

Die zweite: Die Beschreibung gehört neben das Werk gelegt, jedes Mal, wenn eine Projektseite ohnehin angefasst wird. Sie ist die einzige Stelle, an der die Grenze für jemand anderen überhaupt sichtbar wird — und die einzige, die nie mitgeprüft wird, weil an ihr nichts kaputtgeht. Eine Grenze, die pro Werk neu gezogen wird, ist nämlich nur so lange eine, wie sie irgendwo richtig steht.

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